Al2 open end



Avantgarde und Human Touch

Noch nie zeigte sich die Automobilindustrie, insbesondere die deutsche, so gewandt, vielseitig und zukunftsorientiert wie heute. Gerade Audi ermöglicht mit mutigen Konzepten und Designlösungen, hochintelligenter Technik, neuen Materialien und pfiffigen Details dem Konsumenten einen immer unbefangeneren Umgang mit dem Eigentlichen, dem Emotionellen, das ihn bewegt. Sicherheit, Verantwortung und Gespür für die Umwelt müssen dabei nicht im Konflikt mit der Freude am Leben, an der Mobilität und dem Anspruch auf persönlichen Freiraum stehen. Sauertöpfische Autos mit guter Absicht und getreu moralischen Verpflichtungen würden ihr Ziel aber trotz bester Abgaswerte verfehlen, weil sie schlicht am Markt vorbeigingen.

Wer in Zukunft erfolgreich Autos bauen möchte, muss viel mehr einbringen als schiere Technik, nämlich: Kreativität, Stil, Gefühl für Stimmungen, Materialien, Atmosphäre - eben dieses zeitgemäße „Auf-der-Welt-Sein", das unser Leben bestimmt. Und sich dabei aber der Verantwortung bewusst zu sein, mit dem Ziel die Zukunft mitzugestalten. Denn das Automobil macht sich daran, Trends nicht nur zu beantworten, sondern sie hervorzubringen.

Nach dem überraschenden Technikträger Al2, den Audi auf der Frankfurter IAA präsentiert hat, folgt hier in Tokio nun eine Kurvariante, der Al2 open end. Eine Variation, die auf dem Al2 aufbaut und mit vielen realitätsnahen Aspekten technologischen Anspruch mit höchster Zukunftssicherheit demonstriert. Der Al, open end ist auf den ersten Blick anders als der Al2, universeller und freizeitorientierter mit noch mehr persönlichem Freiraum. Er setzt aber auch auf eine High-Tech-Struktur, nämlich Plateau-Konzept und das Audi Space Frame-Prinzip, wie es für den Audi A8 erstmals entwickelt und in Großserie erfolgreich angewandt wurde.

Vom Luftschiff zum Motorroller Stand vor dem Al2-Projekt die symbolhafte Vision eines leicht und lautlos schwebenden Zeppelins, so wurde dem Al2 open end eher das Zeitlos-Urbane, zugleich auch Sportlich-Praktikable eines Motorrollers vorangestellt: Unkompliziert, universell, nicht nur auf perfekt ausgebauten Straßen zu fahren, immer flott, belastbar, beladbar und auf der richtigen Seite des Lebens. Der Al2 open end kokettiert, mit abwaschbaren Materialien gewappnet, sogar ein wenig mit dem Schmutzigwerden, was ihn lebensnah und sympathisch macht.

Der Viersitzer baut auf dem Plateaukonzept des Audi Al2 auf, hat aber zwei Türen und bei gleichen Abmessungen ein insgesamt gestreckteres Erscheinungsbild dank flach vorwärtsstürmender C-Säule. Durch völliges Absenken der Seitenscheiben und Wegfall der B-Säule kann beinahe ein Cabriolet-Eindruck erzeugt werden.

Ein blaues, transluszentes Stoffverdeck mit Kunststoffheckscheibe lässt sich elektrisch nach vorn aufrollen, stufenlos, wobei es in einer schlanken, unsichtbaren Aussparung oberhalb der Windschutzscheibe Platz findet. So entsteht ein Eindruck von grenzenloser Offenheit. Zwischen den Rücklichtern bleibt dann eine Trägerbrücke samt dritter Bremsleuchte stehen, die sich mühelos abnehmen lässt und damit den Weg zur großen Ladefreiheit preisgibt: denn die verbleibende Bordwand wird ferngesteuert in den Stoßfänger abgesenkt, wonach sich über ihr eine 160 cm lange und 95 cm breite Ladefläche aus gebürstetem Aluminium ergibt. Als Novität ist hier auch die Möglichkeit anzurechnen, dass mit offener Bordwand gefahren werden kann, weil keine Teile abstehen.

Rough Load, rough Road

Alle Innenraummaterialien sind hochwertig und gleichzeitig so unempfindlich, dass man nicht nur den Kontrabass oder das Edelrennrad, sondern auch Trekkingschuhe oder Gemüsekisten reuelos transportieren könnte: Die straff gepolsterten Sitze sind zweifarbig braun und blau kunststoffbezogen, die Karosserieinnenseiten wurden mit optisch Nappa-ähnlichem Material bespannt. Angesichts der edelpolierten Türgriffe oder des weißlich schimmernden Hupenringes herrscht ein reizvolles Wechselspiel zwischen wertvollen und strapazierfähigen Materialien. Zu Füßen liegt ein robuster Bodenteppich, wie man ihn in Skiliftgondeln vorfinden könnte. Sowohl stilsicher als auch praktikabel erweisen sich die zahlreichen Haltegriffe und Nerzunmöglichkeiten, die im Auto verteilt sind.

Seinem Hang zur kreativen Ambivalenz folgend, hat das Team um Designchef Peter Schreyer und Projektleiter Stefan Sielaff den Dachbügel in gebürstetem Aluminium abgesetzt. Dies unterstreicht einerseits den Cabriolet-Charakter, hält aber andererseits optisch dicht.

Die Bodenfreiheit des 3,76 Meter-Fahrzeugs wurde von den 12 cm des Audi Al2 auf 16 cm erhöht, um die Allround-Einsatzmöglichkeiten zu vergrößern. Trotzdem können Autobahnen mit Schwung angegangen werden: Der Vierzylinder-16VMotor mit 74 kW (100 PS) ist gut für Tempo 190 km/h. Flotte Fahrwerte sind kein Problem dank aerodynamischer Karosserie und dem geringen Wagengewicht von 790 kg. Tempo 100 kann aus dem Stand in weniger als 9 Sekunden erreicht werden.

High-Tech für Road and Trekk

Die unkomplizierte Robustheit des Ladebereichs wird konterkariert von HighTech-Elementen aus dem Al2: Durch Fotosensoren aktiviert, gleitet das Handschuhfach hervor, öffnen sich der Aschenbecher oder das Handyfach berührungsfrei und nebenbei auch sinnvoll: Man könnte ja gerade schmutzige Hände haben. Die untertags schwarz unterlegten Instrumente leuchten in bekannter roter Nachtoptik. Die Schweinwerfer wurden auch in der für den Al2 neuentwickelten baroptik ausgeführt, bei der der Scheinwerferstrahl seitlich in das Gehäuse eintritt und dort mittels Linsen erst in Leuchtrichtung umgelenkt wird.

Das Multifunktionslenkrad erlaubt die Betätigung von Audio-, Navigations- und Telefonsystem sowie der Klimaanlage, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Beim Aufsperren des Fahrzeuges mit der Funkfernbedienung und noch für etwa zwanzig Sekunden nach dem Abschließen weisen bei Dunkelheit die Front- und Rückfahrscheinwerfer zusätzlich zur Innenraumbeleuchtung den Weg.

Ja, sicher

Der Al2 open end verfügt auch über die gesamte Sicherheitskonfiguration des in Frankfurt gezeigten Al2, ausgehend von der hochfesten Rahmenkonstruktion, die wie ein Sicherheitskäfig funktioniert. Günstig wirken sich im Crashfall das Plateaukonzept und die hohe Energieaufnahme des Audi Space Frame-Konzeptes mit seinen Crash-Elementen aus. Beim Seitenaufprall bietet der hochgelegte Schweller verbesserten Schutz, begünstigt noch durch die hohe Sitzposition. Zu den beiden Front-Airbags für Fahrer und Beifahrer sind zwei weitere im seitlichen Rippen- und Beckenbereich in die Sitze integriert untergebracht. Kopfairbags in den Dachholmen für die Insassen vorn und im Fond vervollständigen die Sicherheitsausstattung.

Alusättel, Profilsohlen

Statt automatisierter Gangwechsel wählte man beim Al2 open end ein manuelles Fünfgang-Schaltgetriebe. Erhalten bleibt die hohe Eigenstabilität der Karosserie und damit die Idealvoraussetzung für präzise Fahrwerksanlenkung. Die vordere McPherson-Federbeinachse wurde inklusive der Bremssättel in Aluminium ausgeführt, hinten entschieden sich die Audi Ingenieure für eine Verbundlenkerachse mit Bremssätteln aus Aluminium. Die zweiteiligen Leichtmetallräder der Dimension 6J x 16 tragen Reifen der Größe 175/55 R 16. Die Räder wurden eigens für diese Studie designt und entwickelt. Zusammen mit robust profilierten Reifen erzeugen sie einen zupackenden Eindruck, ohne dabei rustikal zu wirken.

Der Al2 open end als Derivat des Audi Al2 versteht sich als Laborfahrzeug, um Konzepte auf Realisierbarkeit zu testen und um auf ausdehnbare Segmenterweiterungen zu verweisen. So ist in diesem Fall der Name Programm und Lade-Funktion zugleich. Der philosophische Ansatz könnte lauten: Das Auto, das über sich selbst nachdenkt. - Das dadurch ständig wechselnden persönlichen Freiraum bietet.

Hilfreiche Basis für das gewagte Denken ist die Aluminium Space Frame-Technik, die neue Karosserieaspekte auf einfache, sozusagen additive Weise erschließt, weil hier der „Beplankung" relativ wenig Statik zukommt. Dadurch wird den Designern eine neue Freiheit in die Hand gegeben, die denkbar schönste Einladung zum Experimentieren in neuen Nischen.

Denn: Je geringer die Stückzahl, desto geringer die Investition in teure Großserienwerkzeuge - damit ergibt sich eine interessante Umkehr zur Einfachheit. Trotzdem wäre man bei Bedarf schnell fähig für größere Volumen. So eröffnet der ASF über seine technischen Vorteile und Vielfalt hinaus ein bisher öffentlich unentdecktes Talent.

 Ohne den Stand der Automobiltechnik zu verraten, ist Audi-Designern und -Technikern das Kunststück gelungen, anhand einer zukunftsweisenden Technikstudie völlig essentielle Bedürfnisse anzusprechen. Nämlich den lässig urbanen Stil nützlichen Cruisens, wie es zeitlos eleganten Mobilen ä la Vespa gelingt, verbunden mit der Problemlosigkeit, Schmutzunempfindlichkeit und Abwaschbarkeit eines praktikablen Lastenrollers, den man wirklich verwendet.

Über diese low-end-Anforderungen hinaus impliziert der open end mit PickupCharakter auf modernster technischer Basis den „state of the art" der Möglichkeiten: Automobilbau an der Schnittstelle zwischen Gegenwart und Vision.

Technische Daten

Motor / Elektrik Motorbauart

  • Reihen-Vierzylinder, Ottomotor, Leichtmetall Motorblock
  • zwei obenliegende Nockenwellen (DOHC)
  • Ventilsteuerung / Anzahl Ventile pro Zylinder Zwei Nockenwellen (DOHC), hydraulische Tassenstößel, vier Ventile pro Zylinder
  • Hubraum in ccm: 1390
  • max. Leistung in kW (PS) bei 1/min (1999/99/EG) 74 (100) / 6000
  • max. Drehmoment in Nm bei 1 /min (1999/99/EG) 128/4400
  • Motormanagement: Sequentielle Mehrstellen-Einspritzung
  • Abgasreinigungssystem: Katalysator, beheizte Lambdasonde;
  • Emissionsklasse nach 94/12/EG: (Euro III-D)

Antrieb / Kraftübertragung

  • Antriebsart: Quermotoranordnung mit Frontantrieb
  • Getriebebauart: 5-Gang-Schaltgetriebe, vollsynchronisiert
  • Kupplung: hydraulisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung mit asbestfreien Belägen

Fahrwerk / Lenkung / Bremse

  • Bauart Vorderachse: McPherson-Federbein-Vorderachse in Aluminium
  • Bauart Hinterachse: Verbundlenker-Hinterachse
  • Lenkung / Wendekreis in m (D102): wartungsfreie Zahnstangenlenkung mit elektro-hydraulischer Servounterstützung
  • Bauart Bremssystem vorne/hinten:Elektronische Regelsysteme Diagonal-Zweikreis mit ABS/EDS; Elektronische Bremskraftverteilung EBV
  • Bremsanlage: vorn und hinten Scheibenbremsen, Bremssättel Aluminium
  • Räder / Reifen: 6 J x 16 / 175/ 65 R 16

Fahrleistung / Verbrauch

  • Höchstgeschwindigkeit in km/h: ca. 190
  • Beschleunigung 0-100 km/h in s.: ca. 9
  • Kraftstoffart: bleifrei Super 95 ROZ
  • Verbrauch in der Basisversion. l/100 km: ca. 5,9

Gewicht

  • Leergewicht (bei Grundausstattung) in kg: 790
  • Zuladung in kg: 425

Karosserie / Abmessungen

  • Art der Karosserie Aluminium: Audi Space Frame ASF
  • Anzahl Türen/Sitzplätze: 2/4
  • Länge (L103) / Breite o. Spiegel (W103) / Höhe (H100), mm: 3765 /1620 / 1520
  • Radstand (L101) /Spurweite vorn/hinten (W101/W102) in mm: 2406 / 1430 / 1426
  • Gepäckraumvolumen nach VDA-Quader in ´l (V211/V214): 350, 840 bei umgeklappter Rücksitzlehne + 80 unter Ladebodenabdeckung